Preissuchmaschinen: Segen und Fluch zugleich › ADVIDERA

Preissuchmaschinen: Fluch und Segen

Ob Auto, Urlaub oder Smartphone – immer mehr Nutzer schließen auch außerordentliche Käufe online ab. Das E-Commerce Business boomt, Internet-Shops sprießen nur so aus dem Boden und dementsprechend hart umkämpft ist der Markt.
Vorsicht also – da im Online Kontext die Abgrenzungsmöglichkeiten meist auf den Internetauftritt begrenzt sind, spielt bei Produkt-Homogenität häufig der Preis eine entscheidende Rolle. Somit folgt beim Kunden auf die Auswahl des passenden Produkts ein ausführlicher Vergleich der Preise verschiedener Anbieter. Doch so ausführlich diese Recherche auch sein mag, angesichts der immensen Angebots-fülle wird der Suchende nicht sicher sein können den besten Preis gefunden zu haben – das führt zu Unzufriedenheit.

Ein Glück, dass Preissuchmaschinen wie Idealo oder billiger.de diese erschöpfende Suche übernehmen und unter all den Angeboten das günstigste für den Käufer herausfinden. Diese Portale erfreuen sich großer Beliebtheit der Endkonsumenten, doch eignet sich für jeden E-Commerce Betreiber die Arbeit mit Preissuchmaschinen? Und wenn ja, wie kann dies am besten angegangen werden und welche Risiken müssen dabei beachtet werden?

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Wie funktionieren Preissuchmaschinen?

Set-up der passenden Suchmaschine

Von Kundenseite ist es eigentlich ganz einfach: Man gibt das gewünschte Produkt ein und die Preissuchmaschine durchforstet diverse Angebote nach dem günstigsten Preis. Doch wie schaffen Sie es als E-Commercer vom Konstrukt “Preissuchmaschine” zu profitieren?
Zunächst ist es entscheidend zu wissen, dass nicht jede Angebotsseite automatisch durchsucht wird. Jeder Internethändler, der beim Preisvergleich berücksichtigt werden möchte, muss sich zunächst beim jeweiligen Vergleichportal registrieren. Hierbei sollten Sie vorzugsweise Portale mit einer hohen Sichtbarkeit nutzen.
Im nächsten Schritt wird via Feed das Produktsortiment des Händlers erfasst und klassifiziert, um bei einer Suchanfrage durch den Kunden möglichst präzise Suchergebnisse ausgeben zu können. Daher ist es elementar, dass die Produktbeschreibungen und Preise des eigenen Sortiments möglichst präzise gestaltet sind und mit den Angaben im eigenen Online Stores übereinstimmen. Sollten die Angaben im Shop sich von jenen auf der Preisvergleichsseite unterscheiden, entsteht Misstrauen und der Kauf kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zustande.

Kostenkalkulation

Ist das Sortiment erfasst, werden die Produkte bei passender Suche gelistet. Das Geschäftsmodell der Preissuchmaschinen basiert in der Regel auf Einnahmen über Pay-per-Click oder Pay-per-Sale. Das bedeutet, dass der Online Händler pro Klick auf seinen Shop oder pro abgeschlossenem Kauf eine Provision an das Vergleichportal zu entrichten hat. Die Höhe dieser Klick-kosten können je nach Produktkategorie variieren, das sollten Sie in Ihre Kalkulation einbeziehen.

Koordinationstools nutzen

Im Hinblick auf die große Bandbreite, empfiehlt sich die Registrierung bei verschiedenen Preissuchmaschinen. Mit zunehmender Anzahl verbundener Preisvergleichsportale lohnt sich zudem die Nutzung eines Tools zur vereinfachten Koordination der Partnerschaften.

Warum Sie als Online-Händler mit Preissuchmaschinen handeln sollten

Kaufbereite Kundschaft

Grundsätzlich bedarf es keiner zeitraubender Investitionen Preissuchmaschinen in das eigene Werbe-Portfolio aufzunehmen und der Traffic auf derartigen Seiten kann sich sehen lassen.
Die Registrierung auf einer Preissuchmaschine stellt in erster Linie einen weitere Sales Channel für Ihren Handel dar. Wer in einem Vergleichsportal nach einem Produkt sucht, ist in seiner Customer Journey bereits an fortgeschrittener Stelle und besitzt für gewöhnlich eine tatsächliche Kaufbereitschaft. Der generierte Traffic bringt also eine erhöhte Chance mit sich, Conversions zu erzeugen.

Kostenlose Impressionen & Neukundengewinnung

Da meist nur für einen Klick auf eigene Angebote bezahlt werden muss, kann außerdem von kostenfreien Impressionen profitiert werden. Dies ist möglich, da das Produkt meist mit der Brand des Online Shops gelabelt dargestellt wird.
Erreichen Sie über Preissuchmaschinen außerdem neue Kundengruppen, mit welchen sie auf anderen Wege vielleicht nie in Kontakt gekommen wäre.

Spillover Effekte & Vertrauen

Durch die sorgsame Auswahl der genutzten Preisvergleichsportale kann von der Etablierung und dem Ruf bestehender Pages profitiert werden (Spillover Effekte). Indirekt kann ein E-Commerce Shop also einen Vorteil aus der Sichtbarkeit und den professionellen Aufbau des ausgewählten Vergleichsportals ziehen.
Entschließt sich ein Kunde zum Kauf über eine Preisvergleichsportal, entsteht zumindest in Bezug auf den Preis Zufriedenheit gegenüber dem Händler. Die Kaufentscheidung wird somit als vorteilhaft für den Käufer empfunden, dies führt wiederum zu einer positiven Wahrnehmung des Online Shops.

ACHTUNG: Was Sie dringend berücksichtigen sollten

Abhängigkeit

Bevor Sie als Inhaber eines Online-Shops nun in Euphorie verfallen, und jedes Preisvergleichsportal ins Boot holen, das sich finden lässt, seien Sie gewarnt. Wie so ziemlich alles, birgt auch die Kooperation mit Idealo und Co. Schattenseiten.
Sie sollten stets darauf achten, dass Sie sich in kein Abhängigkeitsverhältnis gegenüber dem Preisportal drängen lassen. Die Kooperation sollte im Optimalfall lediglich einen weiteren Kanal in Ihrer Absatzstruktur darstellen. Stellen Sie sicher, dass Ihr E-Commerce Business auch eigenständig funktioniert.

Negativer Spillover und Reputation

Wie bereits angesprochen, kann ein Online Handel vom Image und Trust einer Preissuchmaschine profitieren, doch diese Spillover Effekte funktionieren leider auch in die andere Richtung. Somit sollte darauf geachtet werden, dass der mögliche Partner eine gewisse Qualität in Sachen Usability, Sicherheit und Vergleichs-vielfalt vorweisen kann.
Neben diesen individuellen Merkmalen stehen auch Preisvergleichsportale im Allgemeinen immer wieder in der Kritik. Grund hierfür ist hauptsächlich die mangelnde Transparenz bei der Preissetzung sowie IP- und gerätespezifischer Preisunterschiede für den Nutzer. Somit sollten Sie die öffentliche Wahrnehmung der Preissuchmaschinen stets aufmerksam verfolgen, um negative Assoziationen gegebenenfalls rechtzeitig umschiffen zu können.

Passt das Billig-Image zu Ihrer Unternehmung?

Des Weiteren sollten Sie darauf achten, welche Art Produkt Sie vertreiben, beziehungsweise in welchem Preissegment der Online Handel positioniert werden soll. Entspricht das Konzept billiger Preise der Wertvorstellung des Unternehmens? Oder könnte die Verbindung zu einer Preissuchmaschine zu einer Imageverwässerung oder sogar Schädigung führen führen?!
Seien Sie sich dessen bewusst, welche Kundschaft Sie über Preissuchmaschinen ansprechen. Wenn ihr Geschäftsmodell auf langfristigen Kundenbeziehungen beruht, sind Sie in Preissuchmaschinen vermutlich falsch. Die Kaufentscheidung wird über Vergleichsportale offensichtlich über den Preis getroffen, hier entsteht keine Loyalität oder emotionale Kundenbindung. Dieser Sprunghaftigkeit der Kundschaft sollten Sie im Hinterkopf haben

Preissuchmaschinen: Nutzen oder nicht?

Grundsätzlich lohnt es sich für die meisten E-Commerce Shops die Arbeit mit Preissuchmaschinen in Betracht zu ziehen. Sie sollten jedoch Ihr Unternehmen fortwährend und ehrlich reflektieren, um einschätzen zu können ob die Positionierung auf Vergleichsseiten einen Fit mit Ihrem Produkt- sowie Unternehmensimage darstellt.

Nach dem klassischen BWL-Studium entdeckte ich im Rahmen des Master-Studiums an der Uni zu Köln meine Begeisterung für digitales Marketing. Neben dem persönlichen technischen Interesse ist es das in meinen Augen enorme Wachstumspotenzial, das diese Begeisterung begründet.

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