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Grams

Grams ist eine Suchmaschine für das Tor-Netzwerk (umgangssprachlich auch Darknet genannt oder fälschlicherweise gänzlich mit dem Deep Web gleichgesetzt). Inhalte des Tor-Netzwerks lassen sich von gängigen Suchmaschinen im sichtbaren Internet (Clear Web oder Surface Web) nicht auffinden. Im Gegensatz zum Clear Web ist das Tor unüberschaubar; es gibt nur wenige Suchmaschinen, die zufriedenstellende Ergebnisse liefern. Grams wird in Berichten häufig als das “Google des Darknets” oder “Googles böser Zwilling” betitelt, da Funktionsweise und Layout von Google stark ähneln.

Das Tor-Netzwerk

Anonym im Clear Web zu surfen ist kaum möglich. Tor dagegen erlaubt es, wirklich anonym im Internet unterwegs sein, sich zu informieren, auszutauschen und Handel zu betreiben.

In Deutschland wird der Begriff “Darknet” vorwiegend mit kriminellen Aktivitäten assoziiert; diese Denkweise greift jedoch zu kurz. Zunächst einmal ist der Besuch des Tor-Netzwerks legal: Man kann den Tor-Browser über Anbieter wie Chip.de herunterladen; sogar große Plattformen wie Facebook haben mittlerweile Varianten im Deep Web. Zwar wird das Darknet auch für illegalen Handel benutzt: Drogen, Waffen, Pornographie, gefälschte Pässe – alles, was im normalen Internet geahndet wird, ist im Darknet anonym erhältlich; welche Angebote tatsächlich ernst gemeint sind, lässt sich oftmals nicht beurteilen.

Neben virtuellen Schwarzmärkten bietet Tor durch die garantierte Anonymität jedoch auch Menschen einen sicheren Raum, die in Regimen leben, in denen Meinung- und Pressefreiheit stark eingeschränkt wird. Journalisten, Whistleblower, Blogger, etc. haben so einen einen weitgehend sicheren, zensurfreien Rahmen, um sich zu informieren oder auszutauschen.

Die Schwierigkeiten von Suchmaschinen im Tor-Netzwerk

Es ist schwierig, in Tor gezielt nach Inhalten zu suchen:

  • Viele Seiten sind nur für kurze Zeit verfügbar, dadurch sind viele URLs veraltet
  • Die Anonymität der User soll weiterhin gesichert sein
  • Insgesamt haben Darknet-Suchmaschinen nur verhältnismäßig wenige Seiten indexiert

Zwar gibt es einige Suchmaschinen (z.B. Torch, TorSearch, DuckDuckGo), doch die Suchergebnisse bestehen häufig nur aus Textlinks; oft ist nicht erkennbar, wohin ein Ergebnis führen soll. In der Regel kann man nur auf Websites zugreifen, deren URL schon bekannt sind. Diese Hidden Services sind ausschließlich innerhalb von Tor zu erreichen; die kryptischen URLs enden “.onion”. Über bestimmte Anlaufpunkte, z.B. der Hidden Wiki, erhält man nur bedingt zuverlässige Übersicht über die vorhandenen Seiten, aber viele der Links sind veraltet oder nur zu bestimmten Zeiten erreichbar. Zudem ist in keinem Fall die Sicherheit der aufgelisteten Seiten gewährleistet. Angesichts der Chancen, die das verschlüsselte Internet Journalisten und politisch Verfolgten für den Meinungs- und Informationsaustausch bietet, wären zuverlässige Suchmaschinen für Tor von großem Vorteil.

Grams: Das Google des Darknet

2014 entwickelten anonyme Programmierer mit Grams die erste weitgehend funktionierende Suchmaschine für das Tor-Netzwerk. Sie sieht aus wie Google und funktioniert auch fast genau so. Das ursprüngliche Ziel der Betreiber: Das undurchsichtige Darknet überschaubarer zu machen. Allerdings ist Grams eine reine Produktsuchmaschine: In erster Linie liefert sie Ergebnisse für den Drogenhandel, ferner auch für Waffen und andere Kuriositäten. Die Suchergebnisse werden mithilfe von entsprechenden Keywords aus den Angeboten der großen virtuellen Schwarzmärkte gezogen.

Mit seiner Anlehnung an Google legt Grams eine für das Darknet untypische Benutzerfreundlichkeit an den Tag: Die serviceorientierte Darstellung erfolgt in einem Google-ähnlichen Layout, in dem Bilder, Produktbeschreibungen, Warenherkunft und Preise in verschiedenen Währungen angezeigt werden. Auch Händler lassen sich über Grams aufspüren, wenn sie der Suchmaschine über eine Schnittstelle erlauben, ihre Seite abzusuchen.

Obwohl der Administrator der Suchmaschine sich noch 2014 zuversichtlich darüber äußerte, das Darknet könne sich mithilfe von Grams zu einer gesellschaftlich wichtigen Plattform für Whistleblower und Journalisten entwickeln und den freien Meinungsaustausch fördern, wird Grams noch immer vorrangig für den Handel mit Drogen und Waffen genutzt.

SEO und SEA bei Grams

Wie der anonyme Administrator in einem Interview berichtet, liegen der Funktionsweise von Grams durchaus SEO-Mechanismen zugrunde: Der Algorithmus durchsucht die Beschreibungen und Angebotstitel auf den großen Darknet-Schwarzmärkten nach gewichteten Keywords, um dem Nutzer möglichst relevante Ergebnisse zu liefern – so, wie Google es bei Suchanfragen im Clear Web handhabt. Händlern, die gefunden werden wollen, wird zugleich empfohlen, Meta Tags und Meta Descriptions zu generieren und entsprechende Keywords zu benutzen, so wie es der gängigen SEO-Praxis entspricht.

Neben Bannerwerbung hat Grams nur wenige Monate nach dem Launch auch ein Modell der Suchmaschinenwerbung eingeführt, das Google AdWords ähnelt. GramsWords heißt der Service. Händler im Darknet können sich für ihre gewünschten Keywords listen lassen und erscheinen bei einer entsprechenden Suchanfrage ganz oben in den Suchergebnissen.

Zudem gibt es ein Bewertungssystem, über das Käufer Rezensionen zu bestimmten Händlern hinterlassen können. Auch dies erinnert an die Google Rezensionen. Des Weiteren gibt es ein Tool, das die im Darknet gängige Kryptowährung Bitcoins in echte Währungen umrechnet.

Alternativen zu Grams

Eine Suchmaschine, die das gesamte Tor-Netzwerk durchforstet und auch Inhalte abseits der virtuellen Schwarzmärkte liefert, fehlt bislang noch. Allerdings sind verschiedene Alternativen sind in Aussicht. Seit 2013 arbeitet der Finne Juha Nurmi an dem Open-Source-Projekt Ahmia, das Ergebnisse für Dienstleistungen in Tor anzeigen soll. Illegale Angebote, so der Plan, wandern gleich auf eine Blacklist. Auch die US-Rüstungsbehörde DARPA ist dabei, eine Suchmaschine für das Deep Web zu entwickeln: Das Projekt Memex soll in erster Linie bei Ermittlungen im Menschenhandel helfen, aber auch insgesamt bei der Indexierung des Deep Webs helfen.

Quellen:

http://www.zeit.de/digital/internet/2014-04/grams-suchmaschine-darknet-drogen/komplettansicht
https://www.freeware.de/tor/tipp/wie-gut-ist-die-darknet-suchmaschine-grams/
https://www.deepdotweb.com/2014/05/03/interview-with-grams-search-engine-admin-exciting-features-ahead/
https://motherboard.vice.com/de/article/4x9xkg/mit-diesem-google-klon-ist-das-darknet-warenangebot-nur-einen-klick-entfernt
https://www.golem.de/news/darknet-grams-eine-suchmaschine-fuer-drogen-1404-106020-2.html

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