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Warenkorb

Unter einem statistischen Warenkorb wird eine repräsentative Menge an Waren und Gütern verstanden, welche den privaten Verbraucherhaushalt innerhalb eines bestimmten Zeitraums darstellen. Die Gesamtheit aller erfassten Bestände im Warenkorb jedes einzelnen Verbrauchers definiert die volkswirtschaftliche Kennzahl für die Preisentwicklung (Preisindex) des Durchschnittshaushalts.

Warenkorb im Überblick

In Deutschland bildet der Warenkorb die Grundlage zur Ermittlung des Verbraucherpreisindexes (früher auch als Preisindex für die Lebenserhaltung bekannt) durch das Statistische Bundesamt (StatBA). Je nach Verwendungszweck unterteilt der Warenkorb dabei aus insgesamt 700 ausgewählten Gütern und Dienstleistungen 12 Hauptgruppen. Für diese 700 Artikel werden in über 180 Betriebsgemeinden etwa 300.000 Einzelpreise ermittelt. Dazu zählen unter anderem die Preise für Nahrungsmittel, alkoholische und alkoholfreie Getränke, Schuhe und Bekleidung, Wasser und Elektrizität, die Instandhaltung von Häusern und die Gesundheitspflege. Die Zusammenstellung soll hierbei den Verbrauch eines jeden Haushaltes widerspiegeln.

Weiterhin muss die Gewichtung der Artikel im Warenkorb entsprechend an die Ausgaben der Haushalte in den individuellen Gruppen angepasst werden.

Die Zusammensetzung des Warenkorb wird im Zeitverlauf regelmäßig überprüft; die Auswahl der verschiedenen Güter und deren Gewicht jeweils an das Konsumverhalten in der Gesellschaft angepasst. Die Anpassung des Warenkorbs geschieht dem Grunde nach alle fünf Jahre. Allgemein dient der Warenkorb zur Ermittlung der Inflation und verschiedener Preisindizes.

Gewichtung

Die Gewichtung der einzelnen Artikel wird durch das sogenannte Wägungsschema geregelt. Das Wägungsschema wird über das Statistische Bundesamt geführt und leitet sich von den Ergebnissen der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) und Statistiken laufender Wirtschaftsrechnungen ab. Miteinbezogen werden auch Quellenangaben der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR).

Abbildung Wägungsschema

 

Verbraucherpreisindex

Als eine volkswirtschaftliche Messgröße beschreibt der Verbraucherpreisindex (VPI) das Maß der durchschnittlichen Preisveränderungen von Konsumgütern. Der VPI errechnet sich dabei in Verbindung mit dem Warenkorb. Er ermöglicht einen Überblick über die Preisentwicklung innerhalb einer Zeitperiode. Kurz gesagt gilt der Verbraucherpreisindex als Parameter für die Teuerung; er gibt Auskunft über die Höhe der Inflation innerhalb einer Volkswirtschaft.

Auch die Schätzung der Preisentwicklung erfolgt über den Warenkorb. Die Preise der einzelnen Güter werden hierbei als Indexzahl, mit dem Preisindex 100 definiert und auf ein Basisjahr bezogen. Die Kalkulation ist deshalb von Relevanz, da sich mit den Jahren neue Verbrauchergewohnheiten entwickeln und neue Waren und Dienstleistungen auf dem Markt kommen. Die Ermittlung des Verbraucherpreisindexes läuft in monatlichen Abständen über das StatBA.

Ermittlung der Preisniveaustabilität

Um zu garantieren, dass das Preisniveau stabil bleibt, wird aus wirtschaftspolitischer Sicht versucht, die Preisniveaustabilität innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls zu ermitteln. Das Zeitintervall umfasst dabei in der Regel immer zwei Zeitperioden. Es wird grundsätzlich versucht, das augenblickliche Preisniveau mit dem Preisniveau einer vorangegangenen Zeitperiode zu vergleichen. Um zu messen, wie genau sich der Preis innerhalb dieses Intervalls verändert hat, wird die Inflationsrate, ausgehend vom Verbraucherpreisindex berechnet.

Allgemein führt ein Anstieg des Preisindexes zu einer konstanten Inflationsrate. Verändert sich der Preisindex innerhalb dieses Zeitintervalls jedoch gar nicht bzw. nur kaum, kann von einem gleichbleibenden Preisniveau ausgegangen werden.

Grund für einen Preisanstieg können die Veränderung des Austauschverhältnisses zwischen Güter- und Geldmenge sein. Wenn sich bspw. die Geldmenge (im Umlauf befindliche Zahlungsmittel) erhöht, ohne dass zeitgleich und im selben Maße die Produktion von Gütern zunimmt, besteht ein unausgewogenes Verhältnis. Je höher die Geldmenge (bzw. Verbraucherpreise) im Vergleich zur letzten Zeitperiode, desto höher die Inflationsrate, sprich der prozentuale Wert einer Währung. Eine Preissteigerung im Bereich Energie- und Nahrung kann zum Beispiel dafür sorgen, dass die Verbraucherpreise für wichtige Rohstoffarten als auch Öl ansteigen. Daraus folgt eine Zunahme des Geldflusses und somit eine Steigerung der Preissteigerungsrate (Inflation).

Kritik

Präzision des Verbraucherpreisindexes

Die Angaben des VPI sind nur dann exakt, wenn die Preise für die angegebenen Artikel im Warenkorb aktuell sind. Da sich die Preise einzelner Produkte jedoch oftmals unerwartet ändern, sind diese Angaben des Öfteren ungenau.

Weiterhin wird bei der Berechnung nicht zwischen den einzelnen sozialen Klassen einer Volkswirtschaft unterschieden. Das hat insofern Auswirkungen, als dass je nach der Veränderung des Preisniveaus, die verschiedenen Klassen unterschiedlich viel oder entsprechend wenig für bestimmte Waren ausgeben. Diese Tatsache wird bei der Kalkulation des Preisindexes jedoch nicht berücksichtigt, da es sich hier schlicht um einen Durchschnittswert handelt.

Preisbestimmung in Abhängigkeit der Qualität

Auch die Qualität der verschiedenen Produkte gilt es zu berücksichtigen. Wenn der Preis nicht regelmäßig an die preisbestimmenden Eigenschaften der Produkte angepasst wird, führt dies zu einer Verfälschung des Warenkorbs. So lässt sich zum Beispiel die Rechenleistung eines aktuellen Computers nur schwer mit der Leistung eines Computermodells von vor fünf Jahren vergleichen. Dieser Unterschied muss jedoch mit in die Preisbestimmung einfließen.

Einführung eines subjektiven Bewertungsverfahrens

Die Preisbildung der verschiedenen Produkte liegt oft subjektiven Einschätzungen zugrunde, weshalb das StatBA seit 2002 in Deutschland versucht sogenannte hedonische Preise zu erheben. Die hedonische Bewertungsmethode beschreibt in diesem Zusammenhang ein subjektives Bewertungsverfahren, welches ein Objekt nach seinen intrinsischen und extrinsischen Werten misst. Intrinsische Werte beschreiben dabei Kosten, die während des gesamten Produktionsprozesses anfallen und auf die Herstellung des Produktes bzw. der Dienstleistung zurückzuführen sind. Extrinsische Werte beschreiben äußere Faktoren, die Auswirkungen auf die Preisbildung haben. Beide Verfahren werden verwendet, um anschließend einen genaueren Preis bestimmen zu können.

Einführung des Toleranzbereichs

Aufgrund der vielen Ungenauigkeiten in der Berechnung des Preisindexes wurde durch die Deutsche Bundesbank ein Toleranzbereich eingeführt. Mit dem Ziel, dass trotz kleiner Schwankungen dennoch eine verhältnismäßige Geldwertstabilität herrscht. In Deutschland wird der Toleranzbereich mit ein bis zwei Prozent angesetzt.

Quellen

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