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Accessibility

Accessibility ist zweideutig und bezeichnet im Rahmen des Internets zum einen die Barrierefreiheit von Web-Anwendungen, zum anderen die Lesbarkeit von Content für Crawler. In diesem Artikel wird sowohl die Accessibility für Nutzer als auch für Crawler behandelt. Beide Bereiche sind für die Suchmaschinenoptimierung aus Usability und aus technischer Sicht von großer Bedeutung.

1. Accessibility für Nutzer

Bei der Accessibility für den Nutzer geht es darum, Anwendungen anzubieten, die von allen Usern genutzt werden können. Körperliche wie auch geistige Einschränkungen sollen überbrückt werden, damit jeder das Web Angebot nutzen kann. Darüber hinaus sollen auch technische Probleme behoben werden, um eine gute User Experience auf allen Geräten und Browsern zu gewährleisten.

Visuelle Barrieren

Einschränkungen können visueller Natur sein. Hierbei gibt es viele verschiedene Herausforderungen, da nicht jeder Nutzer mit den gleichen visuellen Problemen konfrontiert wird.

Eine visuelle Barriere können Farben darstellen. User mit Achromatopsie/Farbenblindheit haben eine Farbsinnstörung und können nur einige bis keine Farben sehen. Sie können lediglich Hell-Dunkel Kontraste wahrnehmen. Dieser Zustand kann angeboren sein oder neurologisch angeworben werden. Das bedeutet, dass die Farbwahrnehmung nach der Geburt im Hirn aussetzt. Daneben gibt es noch Nutzer mit einer Rot-Grün Sehschwäche, welche Rot von Grün schlecht auseinanderhalten können. Sie nehmen Rot entweder als Grün wahr oder andersherum.

Web Designer müssen also darauf achten, die Usability nicht auf Farben auszurichten. Viel mehr sollten sie besonders bei der Textgestaltung ein kontrastreiches Design nutzen. Außerdem sollte die Schriftgröße nicht zu klein sein, damit die Lesbarkeit auch für Nutzer mit Weitsichtigkeit garantiert wird.

Unter visuelle Einschränkung ist auch das Fehlen des Sehvermögens zu verstehen. Blinde Nutzer müssen sich bei der Navigation auf sogenannte “Screenreader” verlassen. Diese Anwendungen lesen Webseiten verbal vor, soweit dies möglich ist. Aus diesem Grund sollten Webseitenbetreiber ihren Grafiken auch immer einen Alt-Tag zuweisen. Dieser verbessert nicht nur das Ranking in der Bildersuche, sondern auch die User Experience bei Nutzern mit visuellen Einschränkungen.

Möchten Nutzer ohne Sehvermögen Artikel ausdrucken, können Sie dies mit Hilfe eines Braille Übersetzers tun. Dafür benötigen sie aber einen speziellen Drucker, der Braille Druck ausgeben kann.

Auditive Barrieren

Eine weitere Barriere ist das eingeschränkte Hörvermögen. Nutzern, die wenig bis gar nicht hören können, müssen andere Alternativen zur Audiowiedergabe angeboten werden. Informationen werden für auditive Beschränkungen als Text angezeigt. Bei Videos werden dafür Untertitel eingeblendet. In Filmen und Serien werden dafür immer öfter sogenannte “Closed Captions“ genutzt, welche nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch andere Informationen anzeigen. Hier wird dem Nutzer zum Beispiel mitgeteilt, wenn eine Person flüstert, oder eine Tür laut geschlossen wird.

Physiologische Barrieren

Physiologische Barrieren betreffen die Motorik, also vom Gehirn gesteuerte Körperbewegungen. Menschen mit einer Körperbehinderung haben keine volle Kontrolle über die Motorik und können ihrem Körper nur schwer oder teilweise gar nicht bewegen. Die gestörte Kommunikation zwischen Hirn und Körper hat zur Folge, dass Menschen mit dieser Kondition keine feinmotorischen Tätigkeiten nachgehen können.

Um auch diesen Usern Accessibility zu gewährleisten, sollten Webdesigner Webseiten auch im Hinblick auf Nutzer mit eingeschränkter motorischer Kontrolle gestalten. Klickbare Flächen wie zum Beispiel Links sollten daher nicht zu klein sein. Die Bedienung mit der Maus ist für sie schwieriger, weswegen größere Klickflächen benötigt werden. Besonders bei relevantem Inhalt wie der Navigation sollten die Links barrierefrei gestaltet werden. Bewegungssensible hover Links sollten beispielsweise vermieden werden.

Verbesserung der Nutzer Accessibility

Captcha

Captcha dienen zur menschlichen Verifikation. Automatisch generierten Spambots soll es so unmöglich gemacht werden, Transaktionen im Internet zu tätigen. Dafür müssen Formulare ausgefüllt werden, wie zum Beispiel das Ablesen von Wörtern auf verzerrten Bildern. Da diese nicht für alle Menschen klar lesbar sind, gibt es oft die Möglichkeit, den Code vorlesen zu lassen.

Skalierbarkeit

Kleine Schriftgrößen sind für jeden lästig und können zu negativen Folgen führen, wie zum Beispiel der Erhöhung der Bounce Rate. Deswegen sollte die Schriftgröße möglichst in relativen Größen angeben werden, wie zum Beispiel % oder em.

Alternative Bedienung

Auf dem Desktop besteht für Nutzer mit motorischen Einschränkungen noch die Möglichkeit, eine Webseite mit Hilfe der Tastatur zu navigieren. Die Links und Rechts Pfeiltasten können zum Beispiel bei paginierten Inhalten genutzt werden. Auf Social Media Plattformen kann die Leertaste gedrückt werden, um den vorherigen Beitrag anzusehen. Um Usern die Nutzung einer Webseite zu erleichtern sind Tastaturkürzel also von großer Bedeutung. Auch bei unbeschränkten Nutzern kann die Tastaturbedienung die Usability erhöhen, da die Webseiten Interaktionen auch für sie einfacher und zeitsparender werden.

Technische Barrieren

Technische Barrieren umfassen Hindernisse, die nicht beim User selber liegen, sondern bei den Geräten und Programmen, die er nutzt. Darunter fallen folgende Aspekte:

  • Browserkompatibilität: Wird eine Webseite in verschiedenen Browsern unterschiedlich dargestellt, dann besitzt sie keine Browserkompatibilität. Webmaster erhoffen sich durch neue Programmiertechniken einen Vorteil gegenüber ihren Konkurrenten. Die Realität sieht aber oft so aus, dass einige Nutzer durch einen älteren Browser aus der Nutzung ausgeschlossen werden. Eine hundertprozentige Browserkompatibilität kann nur schwer mit den meisten Web Designs gewährleistet werden. Daher sollten Web Developer zumindest darauf achten, dass die allermeisten Browser eine Webseite richtig darstellen.
  • Optimierung der grafischen Darstellung: Eine weitere technische Barriere umfasst die korrekte Darstellung von Inhalten auf unterschiedlichen Geräten. Dabei ist nicht nur die Anzeige auf dem Smartphone gemeint, sondern auch auf dem Tablet und auf Desktops mit unterschiedlichen Auflösungen. Generell sollten Webinhalte flüssig gestaltet werden, sich also der Größe des Gerätes anpassen. Liegt zum Beispiel ein fixes Design vor, können User auf kleineren Bildschirmen den Content nicht komplett sehen. Siehe auch Responsive Design.
  • Javascript: Javascript gilt als eine labile Programmiersprache, die nicht von jedem Browser unterstützt wird. Daher sollten eingebundener Javascript nur zur Funktionserweiterung dienen, jedoch nicht Grundvoraussetzung der Websitenutzung sein. Navigationen sollten zum Beispiel möglichst nur mit HTML und CSS ausgeliefert werden.

Web Accessibility Initiative (W3C WAI)

Das Gremium zur Standardisierung von Web-Techniken W3C hat 1999 erstmals Richtlinien zur Accessibility veröffentlicht. Folgende Punkte sind dort unter anderem aufgelistet.

  • Non Text Content: Alle Inhalte, die kein Text sind (Bilder, Videos und Audio Dateien) müssen eine Text Alternative haben. Bei Bildern wird zum Beispiel das Alt-Attribut eingesetzt.
    Farben: Webdesign sollte nicht auf Farben basieren. Vielmehr sollten Hell-Dunkel Kontraste genutzt werden.
  • Interim Lösungen: Ist eine neue Technik Voraussetzung für die Nutzung einer Webseite, diese aber noch nicht von allen Geräten unterstützt wird, sollten Zwischenlösungen angeboten werden, bis sich eine bessere Alternative ergibt.
  • W3C Richtlinien: Die W3C Richtlinien dienen zur Erstellung eines sauberen Quellcodes. Je sauberer dieser ist, desto weniger anfällig für Fehler ist er. Auch Crawler verstehen einen sauberen Quellcode besser.

2. Accessibility für Suchmaschinen

In der SEO ist natürlich eine hohe User Accessibility ein großes Thema. Doch genauso wichtig ist auch die Barrierefreiheit für Crawler, damit sie eine Seite ohne Probleme untersuchen können.

Dafür sind vor allen Dingen eine logische inhaltliche Struktur wichtig. So verstehen Crawler eine Seite besser und können diese auch schneller crawlen. Nicht nur für User sind H1 und H2 Überschriften wichtig, um die Struktur einer Seite zu verstehen. Auch Crawlern wird damit ein Signal gesendet, worum es hauptsächlich auf der Seite geht. Deswegen ist auch die richtige Nutzung von fettem und kursivem Text hilfreich für Suchmaschinen.

Natürlich sollten dem Spider auch keine technischen Hindernisse in den Weg gelegt werden. Das können 404 Links oder Duplicate Content sein. Wenn eine Domain zum Beispiel mit und ohne Trailing Slash erreichbar ist, muss der Bot beiden Versionen folgen, was mehr Aufwand bedeutet.

Passende Meta Description und Title Tag sollen einen ersten Überblick über den Inhalt verschaffen. Sie helfen Usern und Suchmaschinen, den passenden Inhalt zu dem passenden Suchbegriff zu finden. Deswegen haben Webseiten mit ansprechendem Titel und Beschreibung bessere Chancen, in den Rankings weit oben zu landen.

Fazit

Accessibility sollte für jeden gewährleistet werden – nicht nur für Menschen sondern auch für Maschinen. Um einwandfreie Accessibility zu gewährleisten, muss sehr viel Aufwand betrieben werden. Doch es lohnt sich, eine Webseite für so viele Nutzer wie möglich zu optimieren. Auch wenn nur wenige davon am Ende profitieren. Es ist letztlich nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern steigert auch die User Experience erheblich.

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Barrierefreies_Internet
https://de.ryte.com/wiki/Accessibility
https://www.w3.org/Translations/WCAG20-de

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